Laure Wyss • die frühe Journalistin

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SRF, Das Magazin der Frau, 16.12.1961, Moderation Laure Wyss


Journalismus, der kritisch, anwaltschaftlich und schöpferisch war 

von Barbara Kopp / 4. 12. 2014: Laure Wyss lernte das journalistische Handwerk vom Gründer, Herausgeber und alleinigen Redaktor der «Davoser Revue». Sie sah Jules Ferdmann zu, wie er Texte redigierte, Titel setzte, die Seiten gestaltete und für den Druck vorbereitete. Ihr erster Artikel in der «Davoser Revue» erschien im Dezember 1943. Es war eine Buchkritik zum schwedischen Bestseller «Britta Bölja» von Tora Feuk.

Nach dem Krieg arbeitete Laure Wyss 1946 – 1948 als Redaktorin beim «Schweizerischen Evangelischen Pressedienst». Sie redigierte Berichte von Korrespondenten und schrieb über kirchliche Themen. Im Auftrag des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen der Schweiz reiste sie durch das kriegszerstörte Polen und berichtete über die Hilfsprojekte.

Nach der Geburt ihres Sohnes 1949 arbeitete Laure Wyss zuerst als freie Journalistin. Als alleinerziehende Mutter brauchte sie ein festes Einkommen und sie übernahm von 1950 bis 1962 die Redaktion einer Frauenbeilage. Diese Frauenbeilage war ein Gemeinschaftsprojekt von fünf bürgerlichen Tageszeitungen, dem «Luzerner Tagblatt», der «Aargauer Zeitung», der «Zürichsee-Zeitung», der «Schaffhauser Nachrichten» und den «Glarner Nachrichten» (heute: «Die Südostschweiz»). Jede Woche gestaltete Laure Wyss vier Zeitungsseiten mit Mode, Kochrezepten und Artikeln zu Erziehung, Ehe und Lebensfragen. Übers Frauenstimmrecht durfte sie nicht schreiben.

1958 begann Laure Wyss neben der Frauenbeilage für das «Schweizer Fernsehen» zu arbeiten. Sie entwickelte die neue Sendung «Magazin für die Frau» und trat als Reporterin, Interviewerin und Moderatorin vor die Kamera. Von 1962 – 1968 leitete sie «Unter uns», die erste Diskussionssendung am Schweizer Fernsehen. Sie wagte sich an Themen wie Homosexualität, aussereheliche Kinder oder Ehescheidung.

Der «Tages-Anzeiger» brachte 1963 die Wochenendausgabe «TA 7» heraus. Laure Wyss übernahm im «TA 7» den Bund «Leben heute» und gab ihm ein kämpferisches Profil. Artikel zur

zweiten Frauenbewegung in Amerika und in Europa erschienen hier, die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft wurde heftig diskutiert und die Frage nach der Rollenaufteilung zwischen Frau und Mann zaghaft gestellt. Laure Wyss betreute ausserdem das neu geschaffene Jugendressort, das «Extrablatt der Jungen», das im «Tages-Anzeiger» jeden Mittwoch erschien.

Ende Januar 1970 stellte der «Tages-Anzeiger» seine Wochenendausgabe «TA 7» ein und lancierte das «Tages-Anzeiger Magazin», auch «TAM» genannt. Der «Tages-Anzeiger» war die erste deutschsprachige Tageszeitung, die ein farbiges Wochenendmagazin herausbrachte. Vorbilder waren das «Sunday Times Magazine» und das «Daily Telegraph Magazine».

Die führenden Köpfe auf der Redaktion waren Laure Wyss, Peter Frey und Hugo Leber. Ihre Maxime lautete: Nur die besten Schreiber, die besten Fotografen und Illustratoren sind knapp gut genug.

Laure Wyss sorgte dafür, dass im «Tages-Anzeiger Magazin» regelmässig Artikel über die Gleichberechtigung erschienen. Sie schrieb Editorials über Rollenverteilung, Schwangerschaftsabbruch oder Gewalt in der Ehe. Die erste Nummer des «Tages-Anzeiger Magazins» startete aufrührerisch mit einer Reportage über die amerikanische Frauenbewegung. Der Titel: «Make war not love».

1975 wurde Laure Wyss pensioniert und arbeitete weiterhin als freischaffende Journalistin. Sie schrieb für das «Tages-Anzeiger Magazin» und für die «WochenZeitung» und verfasste für die «ZüriWoche» Gerichtsberichte. Am Schweizer Radio war ihr Bieler Dialekt in wechselnden Kolumnen zu hören.

© links: Februar 1967, Umbruch TA 7, Tamedia / rechts: 7. Februar 1972, die erste Tages Anzeiger Magazin Nummer «Make war not love»

SRF, Das Sonntagsinterview, 12.01.1992

Sendetitel: «Interview von Helen Issler mit Laure Wyss, TV- und Zeitungsjournalistin der ersten Stunde und nachfolgend erfolgreiche Schriftstellerin»