Laure Wyss • die späte Schriftstellerin

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SRF, Schauplatz, Schweizer Autorinnen, 1.12.1986, Interview Helene Issler


Eine Stimme, die prägnant, leidenschaftlich und hinterfragend war 
Barbara Kopp / 4.12.14: Laure Wyss war 63 Jahre alt, als sie ihr erstes Buch publizierte. Sie befragte Schweizerinnen zu ihrer Kindheit, zu ihrem Leben als Mütter und Berufsfrauen, ihren Erwartungen und Enttäuschungen. Das Buch «Frauen erzählen ihr Leben. 14 Protokolle» erschien 1976. In der BRD veröffentlichten Erika Runge und in der DDR Sarah Kirsch und Maxie Wander ebenfalls literarische Protokolle zum Alltag von Frauen.Laure Wyss war 63 Jahre alt, als sie ihr erstes Buch publizierte. Sie befragte Schweizerinnen zu ihrer Kindheit, zu ihrem Leben als Mütter und Berufsfrauen, ihren Erwartungen und Enttäuschungen. Das Buch «Frauen erzählen ihr Leben. 14 Protokolle» erschien 1976. In der BRD veröffentlichten Erika Runge und in der DDR Sarah Kirsch und Maxie Wander ebenfalls literarische Protokolle zum Alltag von Frauen.In «Ein schwebendes Verfahren. Mutmassungen über die Hintergründe einer Familientragödie. Eine Dokumentation» griff Laure Wyss ein Thema auf, das die Öffentlichkeit 1981 noch nicht wahrnehmen wollte. Der ältere Sohn türkischer Immigranten hatte seine Eltern ermordet. Laure Wyss recherchierte die Schwierigkeiten eines Lebens zwischen zwei Kulturen.

Den ersten und einzigen Roman veröffentlichte Laure Wyss 1982. In «Das rote Haus» verbringen eine alleinerziehende Mutter, eine Journalistin und eine Hausfrau und Mutter einen Sommer und suchen nach einem Sinn in ihrem Leben.

Nach ihrem Roman arbeitete Laure Wyss an einem Sammelband mit Erzählungen und Tagebuchnotizen. Der Koffer mit dem Manuskript wurde ihr in Frankreich aus dem Auto gestohlen. Ein Strassenwischer fand später den weggeworfenen Koffer mit dem Manuskript im Gebüsch. Vom geplanten Sammelband erschienen 1984 drei Kurzgeschichten unter dem Titel «Tag der Verlorenheit».

In «Liebe Livia. Veras Tagebuch vom Januar bis Dezember» beschrieb Laure Wyss die Besuche der Journalistin Vera bei der Strafgefangenen Livia. Das Buch erschien 1985 und beruht auf den Begegnungen von Laure Wyss mit der Strafgefangenen B. im Gefängnis. B. und ihr Freund standen dem Terrorismus nahe und waren wegen Sprengstoffdelikten zu sieben Jahre Haft verurteilt worden.

Der Sammelband «Was wir nicht sehen wollen, sehen wir nicht» kam 1987 heraus und enthält Reportagen und Editorials aus dem «Tages-Anzeiger Magazin» sowie Gerichtsberichte, die Laure Wyss für die Gratis-Wochenzeitung «Züri Woche» verfasst hatte. Der Band zeitgt das Können der Journalistin und kritischen Zeitzeugin Laure Wyss.

1989 veröffentlichte Laure Wyss den Erzählband «Das blaue Kleid». Vieles aus ihrem Leben klingt in den Kurzgeschichten an: Ihre geschiedene Ehe, verflossene Liebesbeziehungen, die Rauheit und Weite der Charente Maritime am französischen Atlantik.Mit 81 Jahren publizierte Laure Wyss erstmals einen Band mit Lyrik. Die Gedichte hatte sie zwölf Jahre in der Schublade liegen, bis sie 1994 die Veröffentlichung wagte. Im Nachwort zu «Lascar» schrieb sie: «Zugegeben, diese Sammlung von Texten unterscheidet sich von dem, was ich früher publizierte. Und vielleicht ist es schon eine Frage der eigenen Jahreszahl, dass ich mir ihre Veröffentlichung erlaube.» Ihre Gedichte nannte sie «Kurzprosa».Ebenfalls 1994 erschien die Biografie «Weggehen ehe das Meer zufriert. Fragmente zu Königin Christina von Schweden». In diesem Buch forschte Laure Wyss möglichen inneren Gründen der schwedischen Königin nach, die Krone abzugeben und nach Rom zu ziehen.

In «Briefe nach Feuerland. Wahrnehmungen zur Schweiz in Europa» plädierte Laure Wyss gegen das schweizerische Abseitsstehen und für eine Öffnung hin zu Europa. Das Buch erschien 1997. Vier Jahre später lehnten die Stimmberechtigten den Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union ab.

Drei Jahre vor ihrem Tod publizierte Laure Wyss 1999 ihren zweiten Gedichtband. Der Titel «Rascal» lautet rückwärts gelesen beinahe «Lascar», wie der Titel ihres ersten Bandes, wären nicht die Buchstaben «s» und «c» vertauscht.

Wenn im Alter die Beine nicht mehr wollen und das Gehen schwer fällt, hilft nur die geistige Haltung. «Schuhwerk im Kopf» nannte Laure Wyss den Sammelband mit Kolumnen, die sie für die «WochenZeitung» über das eigene Altwerden geschrieben hatte. Zusammen mit anderen Texten erschienen diese Kolumnen im Jahr 2000.

Laure Wyss wollte nie eine Autobiografie schreiben, aber sie begann gegen Ende ihres Lebens Erinnerungen an Menschen festzuhalten, die für sie wichtig gewesen waren. Ein Andenken an den Grossvater, an den Herausgeber der «Davoser Revue», an den jüdischen Jugendlichen, der ein Konzentrationslager und die Flucht überstanden und bei ihr gelebt hatte. Diese Erinnerungen erschienen 2003 posthum in einem kleinen Band mit dem Titel «Wahrnehmungen».

© links: Doris Quarella (1944 – 1998) / mitte: Gertrud Vogler / rechts: Doris Fanconi

SF Lipstick, 27.08.2000
Sendetitel: «Portrait der Schriftstellerin Laure Wyss»
Luzia Stettler im Gespräch mit Laure Wyss über das Buch «Weggehen ehe das Meer zufriert»

 

DRS Karussell, 27. 8. 1985 

Kurzporträt und Interview von Aeschbacher mit Laure Wyss.

 

DRS Sonntagsinterview, 12. 1. 1992 

Interview mit Laure Wysss, TV- und Zeitungsjournalistin der ersten Stunde und nachfolgend erfolgreiche Schriftstellerin. Laure Wyss erzählt über ihre Schriftstellerkarriere und über ihr Werk «Weggehen ehe das Meer zufriert».